Wo soll man nur anfangen und wo wieder aufhören? Lohnt sich eine kurze Reise in ein so großes Land überhaupt? Was sollte man gesehen haben, um einen ersten Eindruck von diesem unvergleichlichen Ort auf der Weltkarte zu bekommen?

Ich hab‘ genau das mit ein paar Freunden ausprobiert, die zum ersten Mal nach Namibia gereist sind. Ziel war es den ultimativen Roadtrip zu planen und dabei in kurzer Zeit möglichst unterschiedliche Dinge zu sehen. So viel kann ich schon am Anfang dieses Eintrages verraten: Es ist uns gelungen und von Reisestress war auch keine Spur!

Etappe 1: Windhoek – Sossusvlei, 380 km, ca. 5 h Fahrt

Der Trip sollte uns zunächst direkt zu einem der typischen Postkartenmotive Namibias führen: In die Wüste nach Sossusvlei. Es ist wirklich atemberaubend wie sich die Landschaft auf dieser relativ kurzen Strecke verändert. Ein Großteil des Weges fährt man nur über „gravel road“. Deshalb sollte man auch gute 5 Stunden für die Anfahrt einplanen. Trotzdem ist es möglich auch mit einem kleinen Auto sicher anzukommen. Wie immer sollte neben genug Wasser, Ersatzreifen und einem Reparatur-Set für den potentiellen zweiten Platten, auch eine Offline-Karte der Strecke auf eurer Packliste stehen. Denn der Handyempfang verabschiedet sich schneller als euch lieb ist. Übernachtet haben wir im Desert Quiver Camp (ca. 50€ pP mit Frühstück). Eine wunderschöne Unterkunft mit Pool in der Nähe der bekannteren (und teureren) Sossusvlei-Lodge. Dort kann man auch essen, wenn self-catering keine Option ist. Wir haben morgens dort gefrühstückt, aber abends natürlich gegrillt („braai“, wie die Namibier ein Barbecue nennen) und alles dafür in einer Kühlbox mitgenommen. Geschirr und Besteck gibt es gegen eine kleine Kaution, Holz kann man günstig kaufen und jede der kleinen Hütten ist perfekt ausgestattet. Klimaanlage inklusive. Nach unserer Ankunft und einer kurzen Runde im Pool, ging es dann die 60km nach Sossusvlei und zum Deadvlei. Die letzten 5km sollte man besser ein Shuttle in Anspruch nehmen, denn selbst unser 4×4 mit erfahrenem Fahrer wäre fast im Sand stecken geblieben. Der Marsch über die Dünen ins Deadvlei ist definitiv nichts für unsportliche Menschen, aber ich habe es selbst mit Babybauch im 8. Monat in kleinen Schritten und mit viel Wasser ohne Probleme gemeistert. Jede Sekunde des Ausblickes war die Anstrengung wert! Anschließend gabe es zum Entspannen einen unvergesslichen Sonnenuntergang mitten in der Wüste von unserem Camp aus. Spätestens jetzt verliebt sich jeder in Namibia.

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Etappe 2: Sossusvlei – Walvis Bay / Swakopmund, 320km, ca. 5-6 h Fahrt

Auf dieser Strecke im Auto auch nur für 2 Minuten die Augen zu schließen sollte verboten werden. Ich wollte unbedingt einmal diese Strecke fahren und die Metamorphose der Landschaft erleben. Vor allem in diesem Jahr nach der langen Trockenheit ist das Naturschauspiel auf dieser Strecke umso schöner. Roter Wüstensand wird zur Steppe mit langem Gras und verwandelt sich anschließend in eine felsige Landschaft mit dunklen Steinen wie von einem anderen Planeten. Dann nähert man sich der Küste, es wird wieder flacher und der Sand heller, bis man schließlich das Meer bei heruntergelassenem Fenster schmecken kann. In Swakopmund haben wir eine private Unterkunft gehabt, aber es gibt alles vom Hostel bis zum Luxushotel zur Auswahl. Liebhaber von Seafood und Fisch kommen hier voll auf ihre Kosten. Die Auswahl an Aktivitäten reicht für mehrere Tage: Fallschirmspringen, Quad-Biking oder Sandboarding in den Dünen, Katamaran-Touren und vieles mehr. Wir haben uns u.a. für letzteres entschieden und diesmal neben frechen Pelikanen und neugierigen Robben ein wahres Highlight erlebt: Delfine! Nach zweieinhalb Tagen ging es früh morgens am 3. Tag dann weiter ins Landesinnere auf Safari.

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Etappe 3: Swakopmund – Spitzkoppe – Mount Etjo, 400km, ca. 4,5 h Fahrt

Ursprünglich wollten wir eine Nacht an der Spitzkoppe verbringen und dort campen. Dies ist derzeit die einzige Alternative zur neuen Luxus-Lodge und dem Luxus-Zeltcamp in der Nähe. Unser volles Auto machte uns da allerdings einen Strich durch die Rechnung. Denn mit 5 Personen und dem dazugehörigen Gepäck für eine Woche hätten wir auf Zelte und Schlafsäcke verzichten müssen. Plan B: Früh aufbrechen und über einen kleinen Umweg doch noch einen meiner Lieblingsorte in Namibia wiedersehen. Die Felsgebilde an der Spitzkoppe sind eine einmalige Kulisse und wirken fast unecht. Wir sind dort etwas herumgeklettert und haben die berühmtesten Formationen bestiegen. Geführte Wanderungen zu Felsmalereien und Ausritte sind aber auch möglich. Die Spitzkoppe ist auch von Windhoek aus wirklich gut erreichen und sollte auf jeden Fall bei einer Namibiareise eingeplant werden.

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Nach diesem kleinen Abstecher ging es direkt weiter in Richtung Mount Etjo Safari Lodge. Nicht nur für meine Freunde waren die knapp drei Tage auf der Farm die Krönung unseres Roadtrips. Das Abenteuer begann bereits einige Kilometer bevor wir überhaupt in der Nähe der Main-Lodge waren. Es zogen dunke Gewitterwolken auf und auf der anderen Seite der Farm regenete es stark. Die Riviere begannen über die Wege zu fließen und bereits beim zweiten Fluss, den wir durchqueren mussten, hieß es aussteigen und erstmal testen wie tief das Wasser schon stand. Drei weitere Flüsse meisterten wir und arbeiteten uns langsam aber sicher in Richtung Farm vor, bis wir bei einem größeren Fluss erstmal bis auf weiteres komplett stoppen mussten. Mit Bier, Chips und Handykameras wurde die Wartezeit überbrückt. Endlich war das Wasser so weit abgeflossen, dass wir durchfahren konnten – auf der anderen Seite wartete bereits der Uri, um uns im Zweifelsfall rauszuziehen. Alles ging gut! Die nächsten Tage wurde dann nach Giraffen, Elefanten und Nashörnern Ausschau gehalten. Warzenschweine, Springböcke und andere Antilopen kreuzten unsere Wege und eine Gepardenfütterung gehörte auch zu den besonderen Erlebnissen. Die Abende wurden natürlich mit den obligatorischen „braais“ verbracht, während sich im Hintergrund Lou Reed’s „Perfect Day“ mit den Naturgeräuschen unter dem Sternenhimmel mischte. Klingt fast kitschig, wenn es nicht so unglaublich schön gewesen wäre…

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