„Ein Leben in Namibia ohne Auto ist möglich, aber sinnlos.“ – Frei nach Loriot. Hiermit wäre dann auch schon alles gesagt, was ihr wissen müsst. Aber erstmal der Reihe nach:

Natürlich ist ein Aufenthalt in Namibia als Tourist ohne eigenen fahrbaren Untersatz für eine begrenzte Zeit schon irgendwie möglich. Es erfordert aber neben einer Portion Mut, gespickt mit einer Prise Leichtsinn (vor allem als Frau), viel organisatorisches Talent, Zeit oder Geld – oder alles zusammen. Dauerhaft hier ohne Auto zu leben ist ein Zustand, den ich ungefähr so erstrebenswert finde wie nachts barfuß auf einen Legostein zu treten.

Denn so etwas wie unseren praktischen und dennoch oft beklagten öffentlichen Nah- und Fernverkehr gibt es in Namibia nicht. Wer hätte gedacht, dass man die Deutsche Bahn mit ihren frustrierten Mitarbeitern und den abenteuerlichen Fahrplanänderungen tatsächlich vermissen kann?! Damit ihr euch trotzdem in Namibia von Aroab bis Witvlei bewegen könnt gibt es einige Lösungen:

Die Urlaubs-Variante

1. Ihr bucht im Vorfeld eine komplett organisierte Tour, die euch vom Flughafen zur Unterkunft, zur Stadtführung, zur nächsten Unterkunft, zur Wüstentour, zur Safari, zum Restaurant, zum afrikanischen Kunsthandwerksmarkt, zum Klo und wieder zum Flughafen bringt. Ist easy, teuer und langweilig. Dafür aber sicher und entspannend.

Die Entdecker-Variante

2. Mit dem Mietwagen geht’s auf eigene Faust los! Ihr fahrt nach eurem Zeitplan und auf eurer Route – am besten mit einem 4×4-Geländewagen, damit ihr auch die Straßen benutzen könnt, die nicht nach Straße aussehen. Ist praktisch und abenteuerlich, aber vor allem eins: teuer! Ohne Zusatzversicherungen für Reifen, Glasbruch, Diebstahlschutz und, und, und lassen euch die meisten Vermieter nicht mal in die Nähe des Autos. Die Miete kostet daher gut und gerne ab 100€ pro Tag. Wer nicht rechtzeitig bucht, kann auch plötzlich ganz ohne Wagen dastehen. Dazu kommen Linksverkehr, Routen ohne verlässliches Navigationssystem oder Handyempfang, platte Reifen, Tiere auf der Straße und andere Verkehrsteilnehmer, die auch gerne mal mit Bier am Steuer die vielen Kilometer überbrücken. Wer es dennoch wagen möchte, wird mit unvergesslichen Erlebnissen belohnt. Nur bloß nicht überschätzen! Die Rettungsaktionen von verschollenen Touristen, die Damaraland mit der Provence verwechseln, kommen alle paar Monate vor.

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Straße im Damaraland, März 2016, © J.M. Backhaus

Die ‚Traveling on a Budget‘-Variante

3. Die Mischung macht’s günstiger! Vom Flughafen zur ersten Unterkunft kann man sich entweder von der Lodge oder dem Hotel einen Transfer organisieren lassen oder bei „Dial-a-Cab“ einen Wagen mit Fahrer unter folgender namibischer Nummer bestellen: 081-1270557. Alternativen sind u.a. „City Cab“ oder Mias Taxi Cab & Shuttle Service. Das geht übrigens auch ein paar Tage im Voraus, so dass ihr nicht vor Ort unnötig warten müsst. Anschließend könnt ihr zum Beispiel für ein paar Tage zum Camping einen Mietwagen von Windhoek aus nehmen. Wenn es nicht in die Wildnis geht, dann sind die „Townhoppers“ eine tolle Lösung. Sie fahren täglich zwischen Windhoek und Swakopmund / Walvis Bay. Abholung an der Haustür und ihr könnt auch auf der Strecke dazusteigen. Günstig, sicher und oft in interessanter Gesellschaft. Teure Mietwagenkosten kann man übrigens senken, indem man z.B. in der Facebook-Gruppe „Nam Lifts“ oder „Namibia Windhoek International“ sich Mitreisende sucht oder selbst Mitreisende/r wird. – Ich wiederhole jetzt mal nichts, was euch eure Mami nicht auch raten würde, wenn ihr zu Fremden ins Auto steigt…

Nahverkehr

Ohne Auto habt ihr in Windhoek und den meisten anderen Orten zwei Möglichkeiten: Laufen und Taxi. Laufen ist auf kurzen Strecken tagsüber machbar. Im City Center und einigen Nachbarschaften ist es auch unbedenklich, wenn ihr Wertsachen dabei habt und alleine losmarschiert. Es wird nur sehr schnell, sehr warm und anstrengend. Im Dunkeln ist diese Lösung auch alles andere als zu empfehlen – Ich wurde vor zwei Jahren auf diese Weise in Swakopmund nach nur 400 Metern meiner Lieblingshandtasche entledigt. Achja und nicht wundern, wenn ihr beim Laufen dauernd angehupt werdet. Es geht nicht um eure schönen Beine, so machen die freien Taxi’s auf sich aufmerksam.

Bei Taxis bitte nicht an den deutschen Mercedes-Ledersitz-Standard denken. Das ist eher die „Dial-a-Cab“-Variante. Für 70 Namibia Dollar pro Strecke (egal wie viele Passagiere und egal wie weit), werdet ihr zu jeder Tages- und Nachtzeit sicher ans Ziel gebracht. Die anderen Taxis erkennt ihr an einer großen Nummer an der Heckscheibe und an den Türen. Sie sind viel günstiger und man kann für 20-40 Namibia Dollar durch ganz Windhoek fahren. Auch wenn viele Einheimische, Volunteers und Reisende aus der ganzen Welt diese Taxis täglich benutzen, sollte man sich immer im Klaren darüber sein, dass es vielleicht in 9 von 10 Fällen ohne negative Zwischenfälle verläuft. Den 10. Fall möchte man anschließend allerdings lieber nicht erlebt haben. Tipp: Tagsüber, besser zu zweit als alleine und optimalerweise kennt man die Strecke bereits.

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Straße zwischen Kalkfeld und Omaruru, März 2016, © J.M. Backhaus

Es gibt in Windhoek auch ein Bussystem, welches in diesem Jahr professionalisiert und ausgebaut werden soll. Im Moment ist es selbst für Einheimische sehr unüberschaubar. Die Busse werden vorwiegend von Menschen mit einem sehr geringen Einkommen für den Weg zur Arbeit genutzt. Pläne hängen an den meisten Haltestellenhäuschen nicht und man sieht die Busse auch eher selten. Wer es mal ausprobiert sollte mir unbedingt davon berichten wie es war…

Ich habe mir jetzt zum Glück ein eigenes Auto gekauft! Wenn man vor hat länger als ein paar Wochen in Namibia zu bleiben, dann sollte man sich den Autokauf definitiv als erstes auf die To-Do-Liste schreiben und ins Budget einplanen. Was man dabei beachten sollte und wie man ein Auto in Namibia anmeldet, darüber berichte ich ein anderes Mal. Wer von euch etwas über die (in-)offiziellen Straßenverkehrsregeln wissen möchte, der klickt sich am besten in –> diese Episode von „Postkarten nach Jerry Bay“ <–.

Viel Spaß! – Eure Jana Marie

2 Gedanken zu “Von A nach B

    • Danke dir! Ganz und gar nicht negativ, aber du hast recht: Die Wiedergabe der Fakten spricht für sich. Es ist wahnsinnig anstrengend, wenn man kein eigenes Auto hat oder niemanden kennt, der eins hat. Namibia ist dadurch auch nicht das Land für günstiges Backpacking, was sehr schade ist. Wenn man nicht das nötige Kleingeld besitzt, dann ist man leider viel unflexibler oder kann Situationen nicht vermeiden, die eventuell gefährlich werden könnten… und ja, das ist definitiv ein negativer Aspekt des Reisens hier. Aber daher auch dieser Artikel mit ein paar Tipps, wie man doch günstig unterwegs sein kann und auf was man sich einstellen sollte 🙂

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